E-Paper - 06. Februar 2019
Neue Oltner Zeitung (Olten-Niederamt)
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Gretzenbacherin auf rotem Teppich

Von Chantal Siegenthaler

Die Medienwelt hat Nicole Vögele schon früh fasziniert. Heute ist die Gretzenbacherin als Filmregisseurin tätig und erhielt am Locarno Filmfestival 2018 den Spezialpreis der Jury für ihren Dokumentarfilm «Closing Time».

Gretzenbach Nicole Vögele ist in Gretzenbach aufgewachsen und zur Schule gegangen. Heute wohnt sie hauptsächlich in Zürich; ist aber auch oft in Berlin und für Dreharbeiten immer wieder an verschiedenen Orten der Welt anzutreffen. Gretzenbach ist und bleibt aber ihre Heimat. «Meine Eltern wohnen immer noch im Dorf», erzählt die 35-Jährige, welche nach der Schulzeit die kaufmännische Ausbildung bei einem Verlagshaus in Zofingen absolvierte. «Für mich war immer klar, dass ich in der Medienwelt arbeiten will.» Nach der Lehrzeit arbeitete Vögele auf dem Sekretariat einer Fernsehsendung in Zürich. «Mit der Zeit durfte ich immer mehr eigene Geschichten machen, besuchte die Journalistenschule MAZ in Luzern und mit Anfang 20 wechselte ich komplett in den Journalismus.» Es folgte ein Jobangebot der Fernsehsendung «10vor10», bei welcher Vögele dann zwei, drei Jahre arbeitete. «Es war eine sehr strenge Zeit. Ich bearbeitete viele kuriose Geschichten und hatte viel Verantwortung. Das hat extrem viel Energie gefressen», erinnert sie sich. So kam es, dass sie sich schlussendlich an einer Filmschule in Deutschland bewarb und auch angenommen wurde.

Erfolg mit «Closing Time»

Vier Monate im Jahr arbeitet die 35-Jährige für die SRF-Sendung «Rundschau». Ansonsten ist sie für Filmproduktionen und sonstige Projekte auf Reisen. Für ihren experimentellen Dokumentarfilm «Closing Time» lebte sie beispielsweise einige Monate in Taiwan. Ihr Einsatz für diesen Film hat sich gelohnt: Am Locarno Filmfestival das viertwichtigste Filmfestival Europas durfte sie im vergangenen Jahr den Spezialpreis der Jury entgegennehmen. «Das war verrückt! Alleine, dass der Film am Festival gezeigt wurde, war für mich Lob genug. Dann aber auch noch den Preis zu erhalten einfach unglaublich. Ich brauchte ein paar Tage, um es zu realisieren», erzählt die gebürtige Gretzenbacherin.

«Closing Time», gedreht in der Weltmetropole Taipeh, porträtiert Menschen, die nachts arbeiten. Dies ohne grosse Kommentare; die Zuschauer sollen sich ihre eigenen Gedanken dazu machen können. Es geht um Leute, die zum Beispiel in der Nacht ein Restaurant betreiben. Wenn man kein Sonnenlicht bekommt, nimmt einen dies auf Dauer ganz schön mit. Zwischen den Zeilen stellt der Film die nächtliche Arbeit in Frage. Wie gut ist es für den Menschen? Wohin führt es uns, vermehrt 24 Stunden verfügbar zu sein und immer liefern zu können?», so die Regisseurin.

Nachdem «Closing Time» gerade an den Solothurner Filmtagen gezeigt wurde, kommt er Ende März in die Schweizer Kinos.

Schauen, was die Zukunft bringt

Aktuell ist Nicole Vögele in Sarajevo (Bosnien und Herzegowina) und hilft einer Organisation, die gestrandete Flüchtlinge auf der Strasse betreut. Um ein neues Filmprojekt handle es sich aber nicht. «Ich lasse es auf mich zukommen; irgendwann kommt mir wieder eine neue Filmidee.» Ihr Ziel sei es, weiterhin tiefe Begegnungen zu haben, verschiedene Erlebnisse zu sammeln und Dinge in die Welt zu geben, welche eine Resonanz auslösen. «Dies kann anhand eines Films sein oder auch etwas komplett anderes», lässt Nicole Vögele ihre Zukunft offen.

Neue Oltner Zeitung (Olten-Niederamt) vom Mittwoch, 6. Februar 2019, Seite 1 (13 Views)

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