E-Paper - 09. Januar 2019
Neue Oltner Zeitung (Olten-Niederamt)
E-Paper - Auswahl
E-Paper - Ansicht
 
 

Depression als ständiger Begleiter

Von Céline Bader

Vor allem während den düsteren Monaten haben viele Menschen mit Depressionen zu kämpfen. Die Betroffenen haben Mühe, ihrem geregelten Alltag standzuhalten und werden oftmals mit Vorurteilen konfrontiert. Die Selbsthilfegruppe in Olten bietet einen Ort zum Austausch, welchen auch Georg Hafner* in Anspruch nimmt.

Olten «Die Wintermonate schlagen mir nicht aufs Gemüt, wie es bei anderen der Fall ist», erklärt Georg Hafner*. Der 50-Jährige wurde erstmals 2005 mit seiner Depression konfrontiert. Verantwortlich waren verschiedene Auslöser. 2003 wurden dem damals 35-Jährigen beidseits eine Hüftarthrose diagnostiziert. 2005 wurde dem Dipl. Einkäufer infolge Rationalisierung die Arbeitsstelle gekündet, die er in leitender Position seit fünf Jahren innehatte. «Durch die Hüftprobleme wurde mein Ventil, der Sport, plötzlich geschlossen. Ich habe mich immer sehr viel und intensiv bewegt.» Mit den zunehmenden Schmerzen in beiden Hüftgelenken konnte er seine sportlichen Aktivitäten bald nicht mehr ausführen. «Aufgrund der Belastung am Arbeitsplatz entstand somit ein Ungleichgewicht und ich konnte mich nicht mehr genug erholten», erklärt Hafner. Ab 2005 kamen die psychischen Auswirkungen zum Vorschein. Zudem musste sich der verheiratete, zweifache Familienvater einen neuen Job suchen.

«Dazu kommen irgendwann die finanziellen Ängste»

Darauf folgten mehrere Versuche, wieder Fuss in der Arbeitswelt zu fassen. Mit einer Hüftoperation sollten sich nicht nur die physischen, sondern auch die psychischen Beschwerden verbessern. Allerdings machte sich die Arthrose durch das einseitige Belasten auch in der anderen Hüfte bemerkbar. Es folgte die nächste Hüftoperation, wie auch weitere berufliche Misserfolge. Die Depression nahm zu, der Sport und damit der Ausgleich fehlten Georg Hafner. «Dazu kamen irgendwann die finanziellen Ängste. Ich war verantwortlich für eine jung Familie mit zwei Kindern», so der 50-Jährige.

Da sich der psychische Zustand von Georg Hafner weiter verschlechterte, meldete er sich 2012 freiwillig in einer Tagesklinik an. «Ich hatte keinen Antrieb mehr. Im sogenannten Morgentief liegt man stundenlang im Bett und kann nicht aufstehen. Als die Depression ihren Höhepunkt erreichte, war mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen nur noch der Suizid. Und das, obwohl ich wusste, dass eine liebe Familie da ist und man gebraucht wird.» Zwei Monate verbachte er in der Tagesklinik, danach half ihm ein Jobcoach der IV bei der Wiedereingliederung. Hafners Arbeit bestand aus einfachen Bürotätigkeiten, etwa für die Pro Juventute und in einer zweiten Phase über mehrere Monate als Jobtraining im «ersten Arbeitsmarkt», um die Belastung zu testen.

Selbsthilfegruppe zum Reden

Ab 2008 suchte Georg Hafner als zusätzliche Therapie den Kontakt zu Gleichbetroffenen. Fortan besuchte er die Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen in Olten. Die Gruppe bietet den Menschen ein Forum zum Austausch, in welchem gleiche Probleme besprochen werden können. Zweimal monatlich treffen sich die Mitglieder. Seit 2009 leitet Georg Hafner die Sitzungen und gilt als Ansprechperson für Betroffene: «In der Gruppe sind Neumitglieder immer willkommen. Bei uns kann man über sein Problem reden und wir legen viel Wert darauf, dass das Gesprochene im Raum bleibt», erklärt Hafner.

Medikamente abgesetzt

Heute hat Georg Hafner seine Psyche im Griff, seit 2010 hat er in der Arbeitswelt wieder festen Fuss gefasst. Zudem konnte er im Sommer all seine Psychopharmaka absetzen. Wie bei vielen anderen gibt es dennoch kleinere Auf und Abs im Leben von Hafner. Dank den Erkenntnissen hat er allerdings gelernt, dem frühzeitig gegenzusteuern und mittels seiner «Tools», wie beispielsweise der Selbsthilfegruppe, dem Sport und den homöopathischen Medikamenten eine erneute Depression zu verhindern. Seine Familie, Angehörige und die diversen Arbeitgeber unterstützen ihn damals wie heute. Was das Thema Depressionen anbelangt, sieht Hafner noch viel Aufklärungsbedarf: «Mit dem heutigen Druck, welcher schon bei jungen Menschen in der Gesellschaft und im Arbeitsmarkt herrscht, werden wir in Zukunft öfters mit solchen Diagnosen konfrontiert werden. Auch Burnouts sind ein stetiges Thema. «Deshalb sollte Prävention in den Firmen zur Pflicht werden, als sogenannter Arbeitsschutz», findet Hafner.

*Name von der Redaktion geändert

Neue Oltner Zeitung (Olten-Niederamt) vom Mittwoch, 9. Januar 2019, Seite 1 (12 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   Januar   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31